Die Gouldamadinen-Forschungsstation und der „Save the Gouldain Fund“
Marcus Pollard® Australien
Übersetzt von Joerg Landenberger AZ Nr.:31352
Wenn sie die Entstehung des Save The Gouldian Fund im wunderschönen AWC`s Mornington Wildlife Schutzgebiet seit seiner Gründung verfolgt haben, dann interessiert Sie sicherlich die Arbeit des häufig erwähnten Gouldamadinen-Forschungszentrum in New South Wales (in der Nähe von Sydney).
Ein kluger Mann sagte diesbezüglich einmal:
„Wenn man die wildlebende Gouldamadine schützen will, muss man soviel wie möglich über sie in Erfahrung bringen.“
Dies ist ein Versuch, eben das zu realisieren.
Eingebettet in die wunderschönen Berge von Cooranbong in New South Wales, wo der Ruf des Glockenvogels erklingt, liegt das Zuhause des „Gouldian Fund“-Gründers und bekennenden Gouldamadinen-Liebhabers Mike Fidler.
Seit Mike und Elisabeth sich vor ungefähr vier Jahren entschlossen haben, Australien zu ihrer neuen Heimat zu machen, haben sie eine Reihe von Vogelhäusern und Volieren gebaut, wie sie in Australien bis dato unbekannt waren.
Wie der Zufall es wollte – zumindest was die Gouldamadinen betraf - schlug der Präsident der „Finch Society“ Australiens, Doug Hill vor, dass Mike vielleicht Dr. Sarah Pryke von der Universität von New South Wales in Sydney treffen sollte.
Dieses Treffen zweier Gleichgesinnter veranlasste Mike zur Gründung einer Basis für die Gouldamadinen-Forschungen, sowohl von Sarah als auch der Universität, auf seinem Anwesen.
Auch wenn in vielen Fachzeitschriften bereits über Mikes eigene Volierenanlagen geschrieben wurde, ist doch nur sehr wenig über den aktuellen Forschungskomplex bekannt. Unser Anliegen ist es, dies zu ändern.
Das Erste der beiden Forschungsgebäude misst 9 x 11 Meter und ist in 5 Flüge unterteilt. Jede Voliere ist 6 Meter lang 2 Meter breit und hat eine Höhe von 1,75 Metern im vorderen und 3 Metern im hinteren Bereich. Einer der Gründe für die Schräge des Daches ist es, Experimente zum Dominanzverhalten der Vögel zu erleichtern, da die dominanteren Exemplare dazu tendieren, die höchsten Punkte in der Voliere in Beschlag zu nehmen. Jeder Flug hat eine Vielzahl von Sitzstangen und Nistkästen die – an der Vertikalen ausgerichtet - ansteigend angeordnet sind. Auch dies dient dazu, das Dominanzverhalten besser beurteilen zu können.
Die wichtigsten Ergebnisse von Dr. Prykes Forschung über Dominanz und Hierarchie bei den drei Kopffarben der Gouldamadinen finden sich im Internet unter www.savethegouldianfund.org/science/reds.htm.
Es handelt sich hierbei um die ersten wissenschaftlichen Arbeiten, die in der Forschungsstation abgeschlossen wurden.
Jede Voliere verfügt über eine 100 Watt-Infrarotlampe an der Decke, die etwa 35cm vom Boden entfernt ist. Diese Idee stammt von Eelco Meyjes aus Südafrika. Es versorgt die gerade erst flügge gewordenen Jungvögel mit Wärme und ist eine Wohltat für jeden kranken Vogel in der Voliere.
An kalten Morgen gibt es keinen schöneren Anblick, als den Großteil der Vögel, die sich unter der Lampe für die Aktivitäten des Tages aufwärmen!
Dieser Abschnitt der Anlage wird zur ständigen Verhaltensforschung an der Gouldamadine genutzt. Dies betrifft eine Reihe von Fragen: sind rotköpfige oder schwarzköpfige Tiere die besseren Eltern? Warum dominieren rotköpfige die anderen Tiere? Und sind rotköpfige Vögel erfolgreicher, wenn sie in Gruppen mit anderen rotköpfigen gehalten werden oder sollte man sie mit mit schwarz- und gelbköpfigen mischen? Werden Gouldamadinen dabei von der Kopffarbe ihrer Eltern beeinflusst?
Diese Experimente bezeichnet Dr. Pryke als „Wissenschaft in Reinform“, da es hier um die Frage geht, warum Gouldamadinen mit verschieden gefärbten Köpfen in freier Wildbahn gemeinsam vorkommen.
Ohne zu sehr auf die wissenschaftliche Seite einzugehen, will ich Ihnen kurz erläutern, wie dies alles vonstatten geht:
Jeder an der Studie beteiligte Vogel verfügt über einen speziellen Transponder mit einem individuellen Code an seinem Ring, der eine Identifikation innerhalb des Schwarms ermöglicht.
Während der Brutzeit wird an jedem Nistkasten eine Antenne und eine Leuchtdiode angebracht, mit deren Hilfe ermittelt werden kann, welche Vögel den Nistkasten betreten oder verlassen. Auch die Aufenthaltsdauer der Tiere ist bestimmbar.
Der Transponder verrät also Wer und die Leuchtdiode verrät wie oft ein Vogel das Nest aufsucht. Diese Untersuchungsmethode liefert uns Informationen über die Nistgewohnheiten der unterschiedlichen Kopffarben.
Sowohl der Transponder als auch die Antenne werden darüber hinaus genutzt, um das Schwarmverhaltens zu untersuchen. So wird beispielsweise die genaue Position jedes mit einem Transponder versehenen Vogels, auf jedem Ast in der Voliere aufgezeichnet. Die gesammelten Informationen liefern uns detaillierte Informationen über Veränderungen des Dominanzverhaltens im Schwarm und wie es sich während des jährlichen Lebenszyklus des Vogels verändert.
Der zweite Abschnitt der Anlage misst 9,8 x 5,5 Meter und ist in zwei Räume mit mehreren Käfigen unterteilt. Ein weiterer Raum mit den Maßen 2,5 x 3,0 Meter dient als Labor.
Für Vogelzüchter ist die Forschungsarbeit in diesem zweiten Abschnitt der Anlage wahrscheinlich besonders interessant. Denn hier findet die ernährungswissenschaftliche Arbeit statt, deren Ziel die Entwicklung einer am Lebenszyklus der Gouldamadine orientierte Fütterung ist.
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Dr Prykes Ziel ist die Entwicklung eines preiswerten und leicht erhältlichen Futters, das auf den besten handelsüblichen Sämereien basiert.
Der Nutzen dieser Untersuchungen für uns Prachtfinkenzüchter liegt nahe, da Dr. Prykes Forschungen parallel zu Untersuchungen der Ernährung in freier Wildbahn laufen, die derzeit auf dem Anwesen der „Australian Wildlife Conservancies“ in Mornington, Western Australien durchgeführt werden.
Gestatten Sie mir, Ihnen ein paar Eckpunkte von Dr. Prykes Ernährungsforschung darzulegen:
Es ist Dr. Prykes Überzeugung, dass die Ernährung vieler Prachtfinken von der Verfügbarkeit der Sämereien und nicht vom tatsächlichen Bedarf der Tiere abhängt. Eine Beobachtung, die man als Vogelzüchter wohl kaum in Frage stellen wird.
Der Hauptgrund der Forschung ist die Analyse einiger physiologischer Parameter der Gouldamadine in den verschiedenen Stadien ihres Lebenszyklus. Diese geben dann Aufschluss über den individuellen Stresslevel, z. B. in der Wachstumsphase, während der Mauser oder im Rahmen der Zucht.
Sobald Dr.Pryke herausgefunden hat, wie diese Belastungen die Vögel beeinflusst, kann Sie ermitteln, wie sich der Nährstoffbedarf der Tiere entsprechend verändert. Indem man den Vögeln gestattet, ihre Ernährung aus einem großen Angebot verschiedener Sämereien selbst zusammenzustellen, kann man den Bedarf an Nährstoffen (z.B: Eiweiß, Kohlenhydrate, Vitamine oder Spurenelemente) in verschiedenen Zeiten der Belastung feststellen.
Während all der Untersuchungen werden die Vögel auch regelmäßig einer Reihe von physiologischen Tests unterzogen um ihre Gesundheit zu kontrollieren - endlich ein ernsthafter Versuch ein Prachtfinkenfutter auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln!
Diese Vorgehensweise sollte es Dr. Pryke erlauben, die optimale Kombination von Sämereien für die Ernährung der Gouldamadine zu ermitteln und gleichzeitig eine Veränderung in den verschiedenen Lebensabschnitten der Tiere festzuhalten.
Was uns Vogelzüchtern betrifft, so können wir unseren Vögeln auf Basis dieser Erkenntnisse eine ausgewogene Ernährung anbieten, die dem natürlichen Stress des täglichen Lebens der Gouldamadine gerecht wird.
Für die wildlebenden Gouldamadinen bedeutet dies, dass Zeiten von erhöhter Belastung identifiziert werden können. Damit erfahren wir mehr über die möglichen Gründe des Bestandsrückganges und tragen hoffentlich dazu bei, die Bestände der wildlebenden Gouldamadinen zu alter Pracht wiederherzustellen.
Die wilden Gouldamadinen unter gemeinsamer Anstrengung von Forschung auf der einen und Vogelzucht auf der anderen Seite zu fördern ist unser gemeinsames Ziel.
Bitte unterstützen Sie auch in Zukunft den “Save The Gouldian Fund” und gestatten Sie uns, Sie weiterhin zu informieren. Wir möchten Sie ebenfalls bitten, sich unter www.savethegouldian.org als Unterstützer zu registrieren. Das Projekt kann jede Hilfe gebrauchen!