Rettet die Guldamadinen-Stiftung 

Mike Fidler

übersetzt Joerg Landenberger

 

“Eines Morgens wurden wir von einem lauten, summenden Geräusch geweckt. Innerhalb weniger Augenblicke flogen tausende von Gouldamadinen durch unser Camp, unterwegs zum nächsten Gewässer oder Futterplatz. Dieser Strom aus Vögeln zog für mehr als eine Stunde über uns hinweg, wobei ein Großteil der Tiere gleich zu Beginn vorbeirauschte. Es hatte den Anschein, als ob wir mitten in einer Vogelflugroute gecampt hätten“

Fred Lewitska, Pine Creek, NT. 1954

Setzt man dieses Zitat aus dem Jahre 1954 in Relation mit der heutigen Population, dann erhält man ein deutliches Bild der aktuellen Situation wildlebender Gouldamadinen.

Bedingt durch die Unzugänglichkeit vieler Landstriche ist eine exakte Aussage über die derzeit noch bestehende Population unmöglich. Fest steht jedoch, dass die Gouldamadine 1992 als „gefährdet“ eingestuft wurde. Begründet wurde dies mit
a: der Tatsache, dass die überlebensfähige Population auf unter 2500 Exemplare geschätzt wurde,
b. keine ständige Unterpopulation bekannt war, die mehr als 250 Exemplare umfasst hätte und
c. der Bestand an erwachsenen Tieren kontinuierlich abnahm.

Die STGF wurde im September 2005 mit dem Ziel gegründet, die Gouldamadine zu retten. Es ist eine Organisation, die ausschließlich von freiwilligen Vogelzüchtern betrieben wird. Wir alle hatten das Gefühl, dass unser Hobby und die Vögel uns eine ganze Menge Freude geschenkt hatten und es nun an der Zeit war, etwas davon zurückzugeben. Darüber hinaus hatten wir den Eindruck, dass die Vogelzucht in der Öffentlichkeit keinen allzu guten Ruf hatte. Heutzutage verstehen sich die meisten Organisationen die mit in Gefangenschaft lebenden Tieren arbeiten auch als Naturschützer. Unsere Ansicht war es, dass dies auch für die Vogelzucht der einzige gangbare Weg in die Zukunft sein kann.

Clubs und Organisationen haben weitaus bessere Aussichten auf Neumitglieder und Unterstützer, wenn sie den Umwelt- und Artenschutz fördern und zum Erhalt unseres Planeten beitragen. Auf dieser Basis öffneten wir unsere Stiftung gegenüber den Vogelzüchtern in aller Welt. Dementsprechend stammt ein großer Teil unserer Gelder von den verschiedensten Vereinen und Organisationen aus aller Welt. Wir haben eine echte Chance, die Gouldamadine zu retten. Eine bessere Publicity könnten wir uns gar nicht wünschen!

Unser Ziel werden wir durch drei Maßnahmen erreichen:

  1. Investigative Untersuchungen die herausfinden sollen, weshalb die Population von Gouldamadinen so eingebrochen ist. . Um dies umzusetzen verfügen wir über ein Team von Wissenschaftlern, die hauptsächlich von der Universität Macquarie stammen. Sie stehen unter der Leitung von Dr Sarah Pryke, die Feldstudien der STGF in Wyndham / East Kimberley durchführt. Wie wir spaßeshalber immer sagen ist das Problem an freilebenden Vögeln, dass sie nie still sitzen bleiben. Untersuchungen die nicht in freier Natur durchgeführt werden können, finden in der STGF Captive Bird Research Station in New South Wales statt. Hier stehen uns mehr als 2000 Gouldamadinen, etwa 100 der verwandten Papageiamadinen, Spitzschwanzamadinen, Schwarzbauch Sonnenamadinen und Zebrafinken zur Verfügung. Insgesamt gut und gerne 3000 Tiere. Momentan gibt es 12 Personen, die mit den Untersuchungen betraut sind. Bis auf einen arbeiten derzeit alle in der Region Wyndham, wo sie verschiedene Aspekte der Brutsaison untersuchen. Obwohl wir unsere Aktivitäten erst seit kurzer Zeit auf einem solch hohen Niveau betreiben, gibt es bereits die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die unter www.savethegouldian.org/ veröffentlicht werden. Wissenschaftler aus anderen Winkeln der Welt unterstützen uns ebenfalls tatkräftig – zum Beispiel Professor Tim Birkhead von der Universität Sheffield (Großbritannien). Er hat eine Studie durchgeführt, die wir nicht hätten realisieren können.

 

  1. Unterstützende Untersuchungen. Sobald die Wissenschaftler eines der Probleme identifiziert haben, besteht der nächste Schritt in der Einleitung korrigierender Maßnahmen. Anders ausgedrückt: Was läuft falsch, was ist der Grund dafür dass es falsch läuft und wie können wir dieses Problem beheben? Die Wissenschaftler umschreiben das wesentlich gestelzter als ich es könnte – aber so verstehe ich das nun mal! Manchmal ist es wesentlich einfacher die Gründe herauszufinden, als eine Lösung des Problems zu erarbeiten. So haben die Feldforscher zum Beispiel festgestellt, dass es zwischen Gouldamadinen und Spitzschwanzamadinen einen erbitterten Konkurrenzkampf um die Nistplätze gibt. Andere Wissenschaftler haben hingegen ermittelt, dass es keinen Mangel an Nisthöhlen gibt. Warum also der Konkurrenzkampf? Diese Fragestellung führte im Weiteren zu wertvollen Erkenntnissen über Form und Beschaffenheit der idealen Nisthöhle einer Gouldamadine. Sobald die Parameter definiert waren, mussten ein paar arme Kerle jeden Baum im Untersuchungsgebiet erklettern und jedes mehr oder minder geeignete Loch erfassen. Und ja, es wurden eine ganze Menge von Nisthöhlen gefunden, von denen aber viele nicht den Anforderungen der Gouldamadinen genügten. Das Rätsel des Konkurrenzkampfes mit den Spitzschwanzamadinen war gelöst. Der nächste Schritt bestand nun darin herauszufinden, ob die Population durch diesen Wettbewerb beeinträchtigt wurde. Es wurde ein Experiment geplant, mit dem der Gewinner dieses „Kampfes um Lebensraum“ ermittelt werden sollte. Zurück in der STGF Captive Bird Research Station in New South Wales wurden große Nistkäfige aufgestellt, die durch eine einschiebbare Trennwand in zwei Hälften geteilt werden konnten. Durch Veränderung in der Ernährung wurden 100 Paare Spitzschwanz- und Gouldamadinen in Brutbereitschaft versetzt. Jeweils ein Paar beider Arten wurde in den beiden Hälften eines Nistkastens untergebracht. Als die Vögel bereit zum Brüten waren, wurden die Trennwände entfernt. Die Pärchen mussten sich nun um den verfügbaren Brutplatz streiten. Ganz klar, wer diesen Kampf für sich entscheiden konnte. Und zwar eindeutig! Im nächsten Schritt musste ermittelt warden, weshalb es nicht genug Nisthöhlen gab. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen wurden 500 künstliche Nisthöhlen im Untersuchungsgebiet aufgestellt. Als ich gefragt wurde, ob die freilebenden Gouldamadinen diese annehmen würden, war ich zunächst skeptisch. Tatsächlich wurden die Nistmöglichkeiten enthusiastisch begrüßt und die Wissenschaftler untersuchen derzeit den Effekt, den die zusätzlichen Nistmöglichkeiten auf die örtliche Population haben. Was die Unterversorgung mit Nistmöglichkeiten betrifft, so wird vermutet, dass Waldbrände für die Vernichtung der jungen Bäume und der alten hohlen Bäume verantwortlich sind. Die Entstehung einer natürlichen Nisthöhle nimmt etwa 100 Jahre in Anspruch – eine mittelfristige Lösung des Gesamtproblems ist also nicht in Sicht.
  1. Sanierungsmaßnahmen. Sobald die Forscher eine Vorstellung davon haben, was zur Lösung eines bestimmten Problems notwendig ist, treten andere Teams in Aktion. Das vielleicht beste Beispiel sind die jährlichen Waldbrände in der Trockenzeit der nördlichen Region. Ohne ins Detail zu gehen, aber um eine Vorstellung über das Ausmaß zu geben: Jedes Jahr verbrennt eine Fläche halb so groß wie Europa! Dies geschieht erst seit etwa 30-40 Jahren, hat aber bereits dramatische Auswirkungen auf Landschaft und Vegetation. Jede Tier- oder Pflanzenart die sich unter solchen Bedingungen nicht behaupten kann, ist im Begriff auszusterben oder bereits nicht mehr vorhanden. So auch die Gouldamadine. Um dieser Bedrohung entgegen zu wirken, hat Sarah Legge eine so genannte „Fire Management Cell“ ins Leben gerufen, die mittlerweile 18 Besitzungen rund um das Mornington Wildlife Reserve umfasst. Diese Einrichtung kümmert sich um ca. 8 Millionen Hektar Land und kontrolliert die Entstehung von Waldbränden auf diesem Gebiet. Die STGF hat bei der Entwicklung eines solchen Pilotprojektes geholfen und assistiert nun dem WWF bei der Organisation weiterer „Fire Management Cells“. Wie sie sich vorstellen können, ist dies eine gigantische Aufgabe die enorme Summen verschlingt und die Mithilfe von vielen Menschen erforderlich macht. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Anstellung eines umwelttechnischen Brandexperten notwendig ist, der sich um die richtigen Maßnahmen kümmert. Dieser Fachmann wird wohl ebenfalls von der STGF mitfinanziert werden.

Wie Sie sehen können, ist die Rettung der Gouldamadine eine große und kostspielige Aufgabe. Was also können wir Vogelzüchter unternehmen um zu helfen?

Wenn Sie jung und fit sind und vor allem wenn Sie einen wissenschaftlichen Hintergrund aufweisen können, besteht die Möglichkeit zur freiwilligen Mitarbeit in den Kimberleys. Fitness ist tatsächlich eine der wichtigsten Anforderungen, denn die Kimberleys sind eine echte Wildnis und SEHR raues Gelände. Immerhin verfügt die STGF mittlerweile über Unterbringungsmöglichkeiten. Sie müssen also nicht mehr im Zelt schlafen wie in der „guten alten Zeit“. Die einfachste und effektivste Art zu helfen ist sicherlich eine Spende. Wir freuen uns über finanzielle Zuwendungen in jeder Höhe – egal ob von Privatpersonen oder Unternehmen. Das meiste Geld kommt traditionell von den Vogelvereinen. Viele organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen oder bitten ihre Mitglieder sogar um die jährliche Überweisung eines festen Betrags. Letzteres ist besonders hilfreich, da wir dann mit festen Beträgen rechnen können. So müssen wir zum Beispiel etwa 200.000 Pfund gesammelt haben, bevor wir einen umwelttechnischen Brandexperten einstellen können. In vielen Ländern haben wir zentrale Ansprechpartner, die mit den Vogelvereinen zusammenarbeiten.

Einige von euch mögen mit dem Gedanken an eine Reise zu uns nach „Down Under“ spielen, um sich als freiwillige Helfer bei der jährlichen Zählung im September zu melden. Oder vielleicht kommen Sie ja im Oktober zu uns und nehmen am “STGF New South Wales facility Open Day“ teil. Da die meiste Zeit Studien oder Untersuchungen laufen, können wir in der STGF Captive Breeding Research Station leider keine Gäste unterbringen.

Weitere Informationen über STGF und die wild lebenden Gouldamadinen erhalten Sie unter www.savethegoudian.org/