Die jährliche Gouldamadinen-Zählung in Wyndham – 1. bis 5. September 2009

übersetzt   Joerg Landenberger

 

Während der ersten Septemberwochen wurde die zweite jährliche Zählung von Gouldamadinen in der Region um Wyndham durchgeführt. Diese Region gehört zum Gebiet Ost Kimberley im westlichen Teil Australiens.

Die Zählung ist Bestandteil der laufenden Forschung zu dieser bedrohten Finkenart. Während der letzten drei Jahre haben Forscher der Universität Macquarie verschiedene Aspekte der Ökologie der Gouldamadine untersucht. Dabei wurde ein entscheidender Faktor ermittelt, der für die sinkende Population verantwortlich ist: der Rückgang geeigneter Nisthöhlen. In einem Pilotprojekt wurden im Brutgebiet daraufhin über 500 künstliche Nistmöglichkeiten errichtet. Die Zählung hilft nun bei der Überprüfung der Effektivität dieser Maßnahmen und bei der generellen Beobachtung und Einschätzung der vorhandenen Population im Beobachtungsgebiet.

Um verlässliche Zahlen über die ansässigen Vögel zu erhalten, wurde die Anzahl der Vögel erfasst, die sich Frühmorgens an den Wasserlöchern aufhielten. Im September wurden die Daten von 21 Wasserlöchern in einem 25km-Umkreis um Wyndham erfasst und ausgewertet. Der Zeitpunkt wurde ausgewählt, weil die Gouldamadinen zu dieser Jahreszeit die Brut beendet haben und Schwärme bilden. Dieser Umstand, verbunden mit dem zurückgehenden Angebot an Wasser erleichtert die Zählung ungemein.

Die Ergebnisse der Zählung wurden mit Spannung erwartet, da im Beobachtungsgebiet viele Areale zum ersten Mal von Waldbränden betroffen waren. Es war zunächst nicht absehbar, in wieweit die Vogelpopulation davon betroffen sein würde.

An der Zählung teilgenommen haben 29 Personen, darunter einige Praktikanten der ortsansässigen Ranger. Die Vorbesprechung fand am Nachmittag des 1. September im Wyndham Shire Building statt. Alle Teilnehmer erhielten detaillierte Instruktionen wie die Zählung durchzuführen und die Beobachtungsbögen auszufüllen waren. Schließlich ging es nicht nur um die reine Erfassung der Populationszahlen – wenn möglich sollten auch Geschlecht, Färbung des Kopfes, die Anzahl der Jungen und eventuell erkennbare Färbungen des Bandes erfasst werden. Sollte es der zeitliche Rahmen erlauben, so sollte auch die Anzahl vorhandener Spitzschwanzamadinen und deren Bandfärbung festgehalten werden! Die Zählung erstreckte sich über vier aufeinander folgende Tage, wobei der Standort täglich gewechselt wurde.

Beginn der Aktion war immer früh morgens, wenn die Teilnehmer gegen 5.30 ihre Position am jeweils zugewiesenen Wasserloch eingenommen hatten. Die Zählung startete um 6.00 Uhr. Bis um 8.00 Uhr war es niemandem erlaubt, sich zu bewegen – ein Hoch auf den faltbaren Stuhl!

Mein erstes Wasserloch war eines der alten Reservoirs etwa 2-3 Kilometer nördlich des neuen STGF Conservation Research Centre am alten Hafen von Wyndham – einen Steinwurf entfernt von der Krokodilfarm. An das Reservoir angrenzend befindet sich ein kleiner Tümpel, den die Amadinen täglich aufsuchen. Normalerweise war es bis 6.30 Uhr recht still, bis dann kleine Schwärme von Ringelamadinen am Wasserloch eintrafen. Ihnen folgten kurz darauf die Zebrafinken, die Spitzschwanzamadinen, die Maskenamadinen und schließlich … 12 schwarzköpfige Gouldamadinen! Ich habe diese majestätischen Vögel immer noch vor Augen, wie sie nach dem Trinken und Baden in den obersten Zweigen eines abgestorbenen Baumes ihr Gefieder säubern und pflegen. Ein unvergesslicher Anblick! Neben den herrlichen Amadinen zeigten sich kleine Schwärme von verschiedenen Tauben, darunter Diamanttauben, Friedenstäubchen, Kupfernackentäubchen und die wunderschöne Schopfwachteltaube, welche wie Ballettänzer paarweise am Uferrand entlangliefen und tranken.

Die Zählung endete jeweils um 8.00 Uhr damit, dass wir uns wieder in die Geländewagen zwängten und zurück zu unserem Treffpunkt in Wyndham fuhren. Am zweiten Tag der Zählung gab es kurzfristig einen Aufruhr, als Wayne Southwell (einer der Freiwilligen aus Wollongong) berichtete, dass er etwa 220 Gouldamadinen gesehen hatte, die direkt auf der Straße vor dem Büro der Regionalveraltung in Wyndham aus einer Pfütze tranken – nur etwa 500 Meter von unserem Treffpunkt entfernt. Einziger Kommentar von Wayne: „Viel zu viele, um sie zu zählen!“ Woher der große Andrang ausgerechnet an dieser Stelle? Jeden Morgen um 6.00 Uhr gehen in der Region die automatischen Sprinkler an, mit denen die Rasenflächen vor den Bürogebäuden bewässert werden. Bis 6.30 Uhr ist genug Wasser gelaufen, um sich in Pfützen entlang den geteerten Straßen zu sammeln. Ausgerechnet hier hatten die größten Schwärme beschlossen zu trinken!

 

Für gewöhnlich trafen die Vögel zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr in Gruppen verschiedener Größen auf. Gegen 7.30 Uhr waren sie mit Trinken fertig und zogen weiter.

Samstags, während meiner Schicht an dieser Stelle, trafen die Vögel in mindestens sieben Gruppen ein. Sechs dieser Gruppen mit insgesamt etwa 230 Exemplaren bedienten sich an der Pfütze. Eine weitere Gruppe Gouldamadinen wartete in einem nahegelegenen Baum, wurden aber von einem vorbeifahrenden Auto aufgescheucht und flogen davon.

Ungefähr 20-25% der beobachteten Vögel waren erwachsene Tiere. 75-80% entfielen auf farblose Jungtiere. Ein Schwarm mit etwa 25 erwachsenen und 100 Jungtieren landete nach dem Trinken nur 20 Meter von uns entfernt auf dem Rasen und begannen mit der Fütterung. Ein unglaubliches Erlebnis!

Das offizielle Ergebnis der Studie läuft hinaus auf etwa 400 Gouldamadinen im Beobachtungsgebiet rund um Wyndham. Davon sind geschätzte 80% Jungtiere. Dies deutet darauf hin, dass die Population in diesem September ungefähr auf dem Stand des Vorjahres ist. Auch wenn dies zunächst ein gutes Zeichen ist, müssen wir noch untersuchen, wie es den Jungtieren in der feuchten Jahreszeit ergeht. Denn das Problem besteht darin, das wir zwar mit einer gesunden Population in die feuchte Jahreszeit starten, von der aber nur ein Bruchteil bis zur Brutsaison im darauf folgenden Jahr überlebt. Ein anderer Aspekt der durch die Zählung zu Tage trat war der Umstand, dass nur sehr wenige der beringten brütenden Erwachsenen Tiere beobachtet wurden. Dies deutet darauf hin, dass diese Tiere die Brutzeit nicht lange überleben.

 

Im September 2010 werden wir das Untersuchungsgebiet und die Anzahl der beobachteten Wasserlöcher erweitern. Dazu benötigen wir etwa 50 Freiwillige. Die Zählung wird vom 5. bis zum 10. September 2010 stattfinden.

Wenn ihr also Lust habt auf:

  1. Einen hervorragenden Grund, diese wunderschöne Region zu besuchen
  2. Die einmalige Gelegenheit, Gouldamadinen und andere Vogelarten in freier Wildbahn zu beobachten
  3. Mitarbeit an einer wichtigen und guten Sache
  4. Das Treffen von gleichgesinnten Freunden
  5. Erholung und Ferien vom Alltag

 

Dann kontaktiert David Myers – entweder telefonisch unter 0410422387 oder per E-Mail unter dmyers28@hotmail.com

 

David Myers.
STGF
Communications Manager